Hans Joas: Menschheitsethos – universal und ohne Ausnahme – Buch des Monats Februar 2026

Das Buch des bekannten Sozialphilosophen Hans Joas (* 1948) wurde bereits nach dem Erscheinen 2025 in verschiedenen Besprechungen hochgelobt, denn hier legt der Autor historisch und analytisch zugleich eine globale Perspektive zu Visionen und Realität eines „Menschheitsethos“ und seiner Entstehung im Kontext der (Welt-) Religionen vor. So wird deutlich, wie in der Spannung von Macht, Imperialismus und Weltherrschaft die Menschheit letztlich nur eine Zukunft im Rahmen eines Weltethos hat, bei dem die Menschlichkeit für alle im Mittelpunkt steht. Die Interreligiöse Bibliothek erinnert darum an dieses Werk wegen seiner humanistischen Bedeutung und als Buch des Monats Februar 2026 vorgestellt.

Hans Joas:
Universalismus. Weltherrschaft und Menschheitsethos
Berlin: Suhrkamp 2025, 975 S.
— ISBN 978-3-518-58827-7

>>> Inhaltsverzeichnis – Leseprobe >>>
>>> Vgl. Hans Joas und die Macht des Heiligen (2019):
Ausführliche Verlagsvorstellung / Inhaltsverzeichnis / Leseprobe >>>
>>> Dieter Knipphals: Das Ideal in dunklen Zeiten hochhalten (taz, 07.01.2026) >>>
>>> Rezensionsnotizen (Deutschlandfunk und FAZ) in Perlentaucher >>>
>>> Rezension von Dieter Schnaas: Ist die Idee der Menschheit tot?
(Wirtschaftswoche, 10.08.2025) >>>
>>> Mehr zu Hans Joas (wikipedia) >>>
>>> Die Bücher von Hans-Joas im Suhrkamp-Verlag >>>

Ergänzend: Weltethos – Goldene Regel – weltweite und interreligiöse Verantwortung  (IRB Blog-Archiv) >>>


Verlagsinformation:
Das Wohl aller Menschen bei moralischen und politischen Entscheidungen zu berücksichtigen – das ist heute für viele zumindest als Ideal gerechtfertigt. Aber schon immer gegeben und universell verbreitet ist ein solches Menschheitsethos nicht. Wann und wo ist es also entstanden – und warum eigentlich? Ist es eine Besonderheit der jüdisch-christlichen oder der westlich-aufklärerischen Tradition? Und wie hängt seine Entstehung mit der Geschichte imperialer Weltherrschaft zusammen? In seinem faszinierenden Buch folgt Hans Joas diesem Menschheitsethos in globaler Perspektive.

Von der sogenannten »Achsenzeit« ausgehend, zeichnet er dessen Entstehung in der griechischen Antike, in Judentum und Christentum, in Indien und China nach und betrachtet es im Zusammenhang mit imperialen Reichsbildungen bis hin zum Kolonialismus, Faschismus und Kommunismus. Kann es einen Universalismus ohne Imperialismus überhaupt geben? Und wie steht der Islam zu den achsenzeitlichen Entwürfen eines Menschheitsethos? Joas‘ Antworten auf diese großen Fragen fügen sich zu einem Opus Magnum, mit dem er seine vielbeachteten Arbeiten zur Geschichte von Religion und politischer Macht krönt.

>>> Inhaltsverzeichnis – Leseprobe >>>
Inhaltsverzeichnis (Übersicht)
Genealogie des moralischen Universalismus – Nietzsche, Weber, Troeltsch
Von der Genealogie der Moral zur Genealogie des moralischen Universalismus
Das Christentum unter den Weltreligionen
Die Entstehung des moralischen Universalismus
Jenseits der Dynamik der archaischen Imperien

Das antike Israel: Monotheismus und moralischer Universalismus
Das antike Griechenland: Philosophische Vernunftethik und moralischer Universalismus
Das antike China: Die universalistische Aufladung kultureller Wertmuster
Das antike Indien: Ethische Askese im Dienste des moralischen Universalismus
Die Stoa: Radikalisierung des moralischen Universalismus der griechischen Antike
Das Christentum: Radikalisierung des universalistischen Potentials des antiken Judentums?
Imperialer Universalismus
Carl Schmitt und die Politische Theologie
Monotheismus als politisches Problem

Christliche Herrschersakralisierung: Bischof Eusebius und Kaiser Konstantin
Imperialer Konfuzianismus
Untergang des Imperiums – Rettung des Universalismus
Augustinus als ethischer und soziologischer Denker
Weder Sakralisierung des Imperiums noch Sakralisierung der Kirche
Opferkult: Ende oder universalistische Transformation

Der Buddhismus und der Zusammenbruch des Maurya-Reichs
Universalismus ohne Egalitarismus. Organische Sozialethik und die Metaphorik des Leibes Christi
Organische Sozialethik
Menschheitsideal und irdisches Gemeinwesen: Otto von Gierke
Die mittelalterliche Metaphysik der Geschichte und der Gesellschaft: Wilhelm Dilthey
Der Universalismus des mittelalterlichen Christentums und der Patriarchalismus der Liebe: Ernst Troeltsch
Asketische Berufsethik versus organische Sozialethik: Max Weber
Organische Sozialethik in Europa und Indien: Rationalisierungshindernis oder Reforminspiration
Corpus mysticum: Partikulare Sakralisierung unter Bedingungen des Universalismus

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte: Entstehung und Folgen
Das Christentum zwischen Rassismus und seiner Bekämpfung:
Martin Luther King und die amerikanische Bürgerrechtsbewegung
Rassismus als Erbe der europäischen Expansion

Eine »prophetische« Bewegung?
Gewaltfreie Aktionen und die Zuschreibung von Verantwortung
Transnationale Erfolgsbedingungen
Antikolonialer Widerstand und religiöse Vision:
Mahatma Gandhi und die indische Unabhängigkeitsbewegung
Religion und Moral in Wechselwirkung
Indien: hierarchische Ordnung und moralischer Universalismus
Ahimsa und Satyagraha: Gewaltlosigkeit als Prinzip einer sozialen Bewegung
Gewaltlosigkeit und religiöser Pluralismus

Säkulare Utopie und Vernichtung aller Religion: Mao Zedong und der globale Maoismus
Marxistische Religionskritik und chinesische Religionsgeschichte
Kulturrevolution und Kampf gegen die Religion
Säkularer Universalismus ohne Sakralität der Person
Maoismus außerhalb Chinas
Ist der Islam ein Universalismus?
Fanatismus und Fatalismus. Die langsame Überwindung eines Feindbilds