Bibel und andere religiöse Traditionen: interreligiöse Narrative


Gespiegelte Wahrheit.
Biblische Geschichten und Kontexte der Religionen.

Hg.: Paul Schwarzenau und Reinhard Kirste
Heft 18: Iserlohner Con-Texte (ICT 18)
Iserlohn 2003, 100 S., Abb.
Ab 2009 digital zugänglich / 2014 überarbeitet (Free Download) >>>

Als Paul Schwarzenau und Reinhard Kirste diese, besonders für Unterrichtende konzipierte Materialzusammenstellung im Jahr 2003 herausgaben, schrieben sie im Vorwort:
„Mit diesem Heft stellen wir Erzählungen aus der Bibel und aus anderen Religionen vor, die sich
dadurch auszeichnen, dass sie bei genauem Lesen grenzüberschreitenden Charakter haben. Weil
wir jedoch durch unsere religiöse Sozialisation in der Art unseres Lesens und Begreifens oft genug
festgelegt sind, haben wir versucht, durch unsere Nacherzählungen Verfestigungen aufzubrechen
und damit auch ungewöhnliche Einblicke zu ermöglichen. Anders gesagt: Wir haben die
verschiedenen Geschichten als unterschiedliche Spiegelungen der einen göttlichen Wahrheit
angesehen. Da Spiegel jedoch das Gesehene unterschiedlich „zurückwerfen“ – von seitenverkehrter
Darstellung über Verkleinerungen, Vergrößerungen mit durchaus möglichen Verzerrungen haben
wir uns auch erlaubt, nicht nach dogmatischer Korrektheit zu fragen. Allerdings haben wir uns
bemüht, teilweise verborgene Tendenzen in den Erzählungen deutlich ans Licht zu bringen. Die
umfassende Redaktionsarbeit, die die biblischen Bücher durchlebt haben, haben manchem Text
auch Gewalt angetan oder biblische Aussagen wurden politisch im Sinne bestimmter
Herrschereliten instrumentalisiert. Waren dann jeweils Richtigsteller oder Fälscher am Werk?
Liberale, Konservative oder Fundamentalisten? …
Dieses Heft will in seiner Praxisorientierung dazu ermutigen, Grenzüberschreitungen zu wagen
in Richtung auf andere Religionen und für den eigenen Glauben bereichert heimzukehren.“
Folgende Texte und Geschichten
aus der Bibel, dem Buddhismus, dem Hinduismus, dem Islam und Religionen übergreifend wurden vorgestellt.

Die Nacherzählungen

Aus der Bibel:
Markus 6,30-52; 7,24-30; Johannes 4,1-41 / 1. Könige 3,1-28 / 2. Samuel 11+12 /
2. Könige 5, 1-19 / Jeremia 1,4-19; 18,1-17 /
Lukas. 24, 36—49 & Johannes 20, 19-23) / — Etwas andere Weihnachtsgeschichten
Aus dem Buddhismus:
Durchbruchserlebnisse: Vom Prinz zum Erwachten / Das Gleichnis vom verlorenen Sohn
Aus dem Hinduismus:
Krishnas blaue Haut / Die wiedergefundene Sita / Wie die Kuh der Mutter gleichgestellt wurde
Überarbeitete und erweiterte Fassung mit Jagannath und seine Geschwister >>>
Aus dem Islam:
Mohammed, Bote des einen Gottes (Variante I) / Der Weg Mohammeds von Mekka nach Medina (Variante II)
Religionen übergreifend:
Heilige Geburt und göttliches Kind – Krishna, Buddha, Abraham, Jesus

Vgl. auch:
>>>WEIHNACHTEN interreligiös, interkulturell und meditativ – Göttliches Kind und Hl. 3 Könige >>>
>>> Ruth – die Moabiterin im Stammbaum Jesu >>>
= Eine Moabiterin in der Genealogie Jesu – Zuerst erschienen in:
YOUSEFI, Hamid Reza / BRAUN, Ina / SCHEIDGEN, Hermann-Josef (Hg.): ‚Orthafte Ortlosigkeit der Philosophie’. Eine interkulturelle Orientierung. Festschrift für Ram Adhar Mall zum 70. Geburtstag. Nordhausen: Bautz 2007, S. 511–525 (Textauszug).

Geprägt vom Gedanken des
Interreligiösen Dialog und der Gleichwertigkeit der Religionen
(Reinhard Kirste) entstanden systematisierend und zugleich durch ausgewählte Nacherzählungen verdeutlichend
Ungewöhnliche Blicke auf die Bibel – „heilige Texte“ interreligiös 
Systematische Überlegungen mit praktischen Beispielen.

Sie wurden als Anregungen für einen interreligiös offenen Dialog und in der Spiegelung der eigenen Glaubenstraditionen veröffentlicht in:
Reinhard Kirste: Die Bibel interreligiös gelesen
Interkulturelle Bibliothek, Bd. 7. Nordhausen: Bautz 2006, 139 S.
— ISBN 3-88309-213-4 —
Inhaltsverzeichnis >>>

Vgl.: Materialzusammenstellung aus den Heiligen Büchern religiöser Traditionen >>>
mit unterrichtspraktischen und meditativen Beispielen: Übersichten

Anmerkungen zu den Weihnachtsgeschichten im Neuen Testament
DIE WAHRHEIT DER LEGENDEN in kulturellen Kontexten
Vgl.: WEIHNACHTEN interreligiös, interkulturell und meditativ – Göttliches Kind und Hl. 3 Könige >>>

Wenn die Äußerung des Theologen Martin Kähler (1835-1912) stimmt, dass die Evangelien „im Grunde Passionsgeschichten mit ausführlicher Einleitung“ seien, dann bedeutet dies, dass gerade die Geburtsgeschichten Jesu bei Matthäus und Lukas das Heilshandeln Gottes bis in die Schwangerschaften von Elisabeth mit der Geburt Johannes des Täufers und Maria mit der Geburt Jesu „vorverlegen“
(vgl. Emmanuel I. Rehfeld: Der Christus Israels zwischen Golgatha und Galiläa
Publikationen Uni Tübingen)

  1. Lukas und Matthäus
    Die Zeitangaben sind bei beiden Evangelisten nicht recht zu verifizieren. Das Zeitverständnis des Lukas 2,1-3 macht auf die Tragweite der Geburt aufmerksam; es werden sozusagen die
    Antipoden der neuen Herrschaft genannt: Der Gouverneur von Syrien und Palästina, Quirinius: als Beauftragter des Römischen Reiches bildet er den regionalen Rahmen des Imperiums, während der sog. Friedenskaiser Augustus der eigentliche Gegenspieler des in Bethlehem geborenen Friedensfünsten ist.
    Die Steuerschätzung (übrigens nicht die allererste und auch nicht unter den von Lukas genannten Bedingungen einer halben Völkerwanderung) zeigt an, dass es sich um Geschichte im Weltmaßstab handelt, darüber hinaus um Zeitgeschichte, die nicht mit unseren historisch-kritischen Maßstäben zu messen ist, denn die hier vorausgesetzte Steuerschätzung dürfte im Jahre 9 n.Chr. stattgefunden haben. Zugleich bietet sich aber mit dem Steuergebot des Augustus die Möglichkeit einer tiefen theologischen Aussage, nämlich den Geburtsort Bethlehem heilsgeschichtlich zu begründen und in die Erzählgemeinschaft des Volkes und seiner Verheißung einzuordnen.
    So hat die Botschaft von Jesus Christus hat mit dieser Geburt bereits universale Tragweite. Matthäus beschränkt zwar in gewisser Weise die Ankunft des Erlösers auf das jüdische Volk, aber die Zeichen, die er setzt, sind nicht nur weltweit, sondern geradezu von kosmischer Dimension. Historisch bleiben viel Ungenauigkeiten, dennoch schimmert die Tendenz zum Gleichnishaften oder zum Symboltypischen durch, weil sich in der Geschichte all das schon abgeschattet hat, was nun geschieht. Der Stern von Bethlehem ist das zusammenfassende Symbol des Gesagten. KepIer hat ihn als Jupiter-Saturn-Konjunktion im Tierkreiszeichen der Fische rekonstruiert, die auf das Jahr 7 v.Chr. festzulegen ist. Diese besonders enge Sternkonstellation zeigt, an dass Himmel und Erde bei dem zu erwartenden Erlösungsgeschehen zusammengehören.
    Den Himmel mit seinen Erscheinungen können nun auch Menschen anderen Glaubens deuten, die Astrologen und Magier aus dem Osten, die dank ihrer Sternenkenntnis (von der babylonisch-astronomischen Überlieferung her) und im Verlauf der christlich-kirchlichen Tradition zu Repräsentanten der damals bekannten drei Erdteile (Asien, Europa, Afrika) aufrücken. Mit Recht wird darum später einer der Drei Heiligen Könige als Schwarzer gezeigt.
    Schließlich erfolgt die Einengung auf das jüdische Volk; der Gegenspieler heißt hier nicht Augustus, sondern Herodes. Nicht der Idumäer Herodes, faktisch Usurpator des jüdischen Königsthrons, sondern Jesus setzt die legitime Davidstradition fort, die sozusagen mit seinem Geburtsort Bethlehem „abgesichert“ wird.
    Der Kindermord in Bethlehem und die Flucht nach Ägypten (Heiligenlexikon) runden das BiId der Verheißungsgeschichte ab und ermöglichen zudem, den neugeborenen Jesus bereits eine Zeit lang in Ägypten zu haben (ein wesentliches Narrativ für die Koptische Kirche).
    Jedem halbwegs Bibelkundigen fiel nun bereits damals auf, dass Jesus als Typ des neuen Mose auftritt, der sein Volk noch großartiger befreien wird als damals unter Pharao, ja die Linien lassen sich sogar bis in die Erzvätertradition hineinverfolgen, die in der babylonischen Gefangenschaft prophetisch überhöht wird (Jer. 31,15), bzw. eine Voraussage empfängt, die Mt 2,18 aufnimmt.

Gottes wunderbare Geschichte mit seinem Volk lässt sich also neben Ägypten geographisch festmachen: der Geburtsort Jesu ist nach Matthäus und Lukas Bethlehem in Judäa. Das Johannes-Evangelium geht von Nazareth aus („Was soll aus Nazareth Gutes kommen?“, Joh 1,46). Bei Paulus wird nichts zur Geburt Jesu gesagt. Die sich scheinbar widersprechenden Aussagen lösen sich , wenn man sieht, dass sich Matthäus und Lukas von theologischem Interesse leiten lassen. Bethlehem aIs Geburtstadt des Königs David stellt insbesondere für Matthäus die Kontinuität zur jüdischen Königs- und Messiastradition her, die je länger desto intensiver in dem erwarteten König den Gesalbten Gottes (Messias) sah, der gerade angesichts der römischen Besetzung Palästinas neue Hoffnungen aufkeimen ließ.
Überdies erfüllen sich an dem göttlichen Kind von Bethlehem die alttestamentIichen Weissagungen, die von der neuen HeiIs- und Friedensherrschaft sprechen, die von Davids Hause ausgehen wird (Micha 5,1 u.a. ). Inwieweit im göttlichen Kinde Jesu auch ein Glaubenstyp anderer Religionen aus der jüdischen Umwelt mitschwingt und indirekt mit eingeht, sei in diesem Zusammenhang dahingestellt.

Lukas bringt in Unkenntnis der historischen Zusammenhänge eine Steuerschätzung (etwa diejenige aus dem Jahr 9 n.Ch.) mit der Geburt in Bethlehem in Verbindung und erklärt gleichzeitig, warum Jesus als Jesus von Nazareth bezeichnet wird, obwohl der Ortsname nach dem Eigennamen immer den Geburtsort und nicht den ständigen Wohnsitz bezeichnet. Aber wer die Iukanische Weihnachtsgeschichte gelesen hat, weiß, dass es bei Jesus eben anders ist.
Matthäus 2,6 führt sogar den Weissagungsbeweis zu Micha 5,1 auf. Für ihn handelt es sich mehr um den Erlöser Israels (Matth1,25 Davidssohn), während er bei Lukas der Weltheiland ist (Lukas 2,14).
In diese Linie fügt sich nahtlos die Jungfrauengeburt (gewissermaßen eine Umkehr der Greisinnen-Geburt) ein, eine im Mittelmeerraum durchaus geläufige Vorstellung, um den Zusammenhang Gott – Mensch zu betonen. Allerdings erzählen im Neuen Testament nur Lukas und Matthäus davon. Die anderen haben sie entweder nicht gekannt oder wollten sie nicht kennen (z.B. Johannes). Auch die Treue zur eigenen jüdischen Tradition mag eine Rolle gespielt haben (z,B. Markus, der die Erhebung zum Gottessohn bei Jesus durch Adoption vermittelt sieht) .
Wie dem auch sei, die Jungfrauengeburt erfüllt die Aufgabe, die den Menschen übersteigende Größe Jesu herauszustellen und seine Nähe zu Gott plausibel zu dokumentieren. Wenn sich Matthäus und Lukas dabei einer Vorstellung der hellenischen Umwelt bedienen, empfindet dieses niemand als Sakrileg, ganz im Gegenteil: Seine Geburt aus einer Jungfrau stellt für Jesus die nicht mehr hinterfragbare
göttliche Legitimation dar. Dabei zeigt Matthäus eine stärkere Bindung an das damalige (mythische) WeItbild: Es handelt sich um eine Zeugung durch den Heiligen Geist Gottes, auch wenn der Zeugungsvorgang nur indirekt angesprochen wird. Hellenistisches Denken ist schließlich so stark,
dass eine reine Jungfrau den göttlichen Auftrag sichert.
Matthäus bringt natürlich noch den Schriftbeweis ein, der in diesem FaII jedoch danebengerät, weil er die griechische Übersetzung der hebräischen Bibel bei Jesaja 7,14 benutzt, die Jungfrau schreibt, während der hebräische Originaltext schlicht von einer jungen Frau ausgeht. Ein Übersetzungsfehler wird zur Verheißung !
Beide Linien konsequent weiterziehend, geht Matthäus auch davon aus, dass der Ehemann einer von Gott Erwählten mit dieser selbstverständlich keinen Geschlechtsverkehr aufnimmt (Mt 1,25). Dem oder den griechisch sprechenden Verfassern des Matthäus-Evangeliums gelingt eine heilsgeschichtliche Symbiose jüdischer Elemente und religiöser Vorstellungen der multireligiösen Umwelt in der Form eines erzählten Schriftbeweises, im Grunde ein Meisterstück in den Erzählgemeinschaft des Glaubens.
Wo die Gebärerin des Gottessohnes so hervorgehoben wird, tritt der irdische Vater, Josef, zurück. Immerhin sichert er in den Stammbäumen beider Evangelisten die Ahnenreihe zu David; bei Lukas hat er darüber hinaus keine Bedeutung. Matthäus stellt ihn immerhin als den Typ des rechtschaffenen und frommen Menschen dar, der erst durch die Begegnung mit der Gottheit, in diesem Falle
einer Engelerscheinung, die Geheimnisse des göttlichen Heilsplanes und das direkte Eingreifen Gottes in menschliche Bereiche erfährt. Dieses Eingreifen Gottes erfährt bei Lukas auch eine andere Gruppe von Menschen: die Hirten. Im damaligen Sozialgefüge standen sie auf den untersten Stufe der gesellschaftlichen Hierarchie. Sie galten darüber hinaus noch als Außenseiter, weil sie sich (nach jüdischen Vorstellungen) durch den Umgang mit den Tieren verunreinigten, zuweilen sogar Tiere hüteten, die nach dem jüdischen Kultgesetz als rituell unrein galten (z.,B. Schweine) oder unrein geworden
waren. Dramatisch beeindruckend erfahren nun diese Außenseiter, die Hirten, als erste, dass die göttliche Gnade in die Niedrigkeit kommt und dass sich die frohe Botschaft Gottes nicht an menschliche Gesetzlichkeit hält, selbst wenn sie religiös überhöht wird.
Engelerscheinungen bei der Geburt und diese in einem Stall, weil kein Raum in der Herberge ist, gemahnen daran, dass mit der frohen Botschaft alle Menschen ohne Ausnahme gemeint sind. Die Engelerscheinung macht darüber hinaus die himmlisch-irdische Verknüpfung dieses Geschehens deutlich. So kann Dank der mythischen Sprachhilfe überhaupt das Kommen des Erlösers erzählt werden.
Ein solches mythisches Weltbild stellt nämlich Räume und Zeiten zur Verfügung, in denen dieses ungewöhnliche Geschehen seinen passenden Rahmen findet.
Dass dieser Rahmen nun kein Übergewicht erhält, gewährleistet der Bezug zur hebräischen Bibel. Es hat sich ja bereits gezeigt, dass Anklänge und Zitate mannigfaltig sind, die angesichts der Geburt Jesu die Tradition des Gottesvolkes lebendig werden Iassen (vgl. z.B. die Anspielung auf Jes 57,19 bei Lk 2,14).
Spricht man nun noch die Zielprojektionen der beiden ersten Evangelisten an, so kann man verkürzt sagen, dass der Skopus bei Matthäus schon in 1,21 formuliert wird: Die Rettung des Volkes Israel; bei Lukas steht die Hirtengeschichte im Zentrum, damit wird die Intention konkret: Euch allen ist heute der Heiland
geboren
(Lk 2,11).

Zu Form und Gattung dieser Erzählungen
Wir haben gesehen, das beide Evangelisten historisch in unserem Sinne gar nicht argumentieren können, weil sie eingebettet sind in die Erzählgemeinschaft des Glaubens. Ihre Worte sind darum von erzählendem Bekennen oder bekennendem Erzählen geprägt; ihre geschichtlichen Aussagen wollen allein von ihrer theologischen Relevanz her verstanden werden. So haben diese Texte Predigtcharakter, genauer, sie sind erzählende Predigt von der Heilstat Gottes in Jesus. Weil sie aber erzählen, darum gleiten ihre theologischen Gedanken nicht in Abstraktionen ab, sondern münden ein in die erzählerischen Möglichkeiten, die ihnen als „Evangelisten“ in des Wortes originaler Bedeutung zur Verfügung stehen.
Historische Aussagen im wissenschaftlichen Sinne lassen sich darum nur mit großer Vorsicht erschließen. Formgeschichtlich begegnen wir in diesen Erzählungen der Legende, die mythische und geschichtliche Züge in sich birgt, die aber von den Verfassern konsequent auf den Zeugnisgehalt der Inhalte ausgerichtet wurde. Die Iiterarische Nähe zur Legende eignet sich als Sprachform besonders gut, weil man mit ihr mehr über das Kommen eines Erlösers aussagen kann als in Form chronologischer Berichte, wie sie in anderem Zusammenhang etwa bei Thukydides oder Xenophon oder im biblischen Bereich bei den Königsgeschichten des Alten Testaments vorliegen.
Das Märchen würde die Geschichtlichkeit Jesu leugnen, auf die es den neutestamentlichen Verfassern jedoch sehr ankommt.
Ein vollständiger Mythos schließIich würde nicht nur in die Abhängigkeit anderer Mythologien der hellenistischen Umwelt geraten, sondern Jesus auch in eine göttliche und menschlich-göttliche Gesetzlichkeit einzwängen, die Gott gerade zersprengen will.

Was hier nun im Nachhinein gesagt ist, haben selbstverständlich die neutestamentlichen Erzähler nicht vorher gründlich bedenken können, sondern sie haben intuitiv und aus den Erfahrungen (insbesondere der prophetischer Erzähler und Deuter) und aus der Kraft ihres Glaubens die ihnen angemessene Form der Erzählung getroffen. Dennoch ist es wichtig, auch das literarische Umfeld zu sehen, weil dadurch für das heutige Verständnis die Möglichkeit vorbereitet werden kann, an den Typik der jeweiligen
Gattung eine Veränderung von Aussagen zu erkennen und zu prüfen, wie weit sich bestimmte
Inhalte auch von Erzählformen eignen, um eine optimale Wirkung zu erzielen.

(bearbeitet nach einem Texter: Über den Umgang mit Weihnachten in der Sekundarstufe I – Unterricht und Schulgottesdienst. Iserlohner Con-Texte, ICT 2, 1986/1988:1986/1988, S. 11-14