Richard Herzinger: Konsequentes anti-totalitäres Denken

Richard Herzinger, / 
Thierry Chervel (Hg.):
Letztes Wort Freiheit. Essays

Vorwort von Jeffrey Herf
Berlin / Leipzig: Hentrich & Hentrich 2026, 358 S.
ISBN 978-3-95565-756-7

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Intervention. Herzingers Kassandrarufe von Thierry ChervelRichard Herzinger (Perlentaucher)

Rezensionen
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Antidot gegen Lüge und Vernebelung (Michael Martin, Jüdische Allgemeine, 19.08.2026) >>>

Richard Herzinger. Letztes Wort Freiheit. Essays (Perlentaucher)

Bereits der junge Publizist Richard Herzinger sorgte mit einem Vortrag über Heiner Müller und dessen Schwäche für Reaktionäre wie Carl Schmitt und Ernst Jünger für Aufsehen. Seine ersten Essays publizierte er in der Zeitschrift „Merkur“, die sich damals als westlich-antitotalitär verstand. Sein Essay über die deutschen Intellektuellen nach Srebrenica bot eine der schärfsten Auseinandersetzungen mit den diversen „Niederlagen des Denkens“ bei Jürgen Habermas, Hans-Magnus Enzensberger und Peter Handke. Herzinger stellte sich unbeirrt in eine Linie mit Dissidenten und Renegaten wie Manès Sperber, Widerständlern wie Albert Camus und neuen Philosophen wie André Glucksmann. Dabei erwies sich sein analytisches Denken als geradezu prophetisch: Vor Putin warnte er bereits im Jahr 2000. Er setzte sich publizistisch, aber auch als Aktivist unermüdlich für die demokratische Ukraine ein, ebenso für das unverbrüchliche Existenz- und Selbstverteidigungsrecht Israels und gegen jeden Antisemitismus.
Diese Auswahl an Essays versucht, das gesamte Spektrum seines Denkens zu entfalten und dessen zeitlose Relevanz aufzuzeigen. Eine Bibliographie ermöglicht weitere Entdeckungen.

„Richard Herzinger beherrschte die Kunst, einen politischen Aufsatz schreiben zu können, der in wenigen tausend wohlgewählten Worten einen einzigen Punkt zum Ausdruck bringt. Er besaß die Fähigkeit, über Tagesereignisse zu schreiben und dabei Erkenntnisse aus der modernen sozialen und politischen Theorie, der ,realistischen‘ Tradition der internationalen Machtpolitik und der Geistesgeschichte Europas, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten, insbesondere ihrer liberalen Traditionen, zu nutzen. […] Richard Herzinger war eine führende Stimme, vielleicht die führende Stimme des deutschen Geisteslebens, der die Tradition der antitotalitären Schriftsteller des 20. Jahrhunderts auf die Ereignisse der letzten Jahrzehnte anwandte.“ Jeffrey Herf

INHALT
Richard Herzinger – Kritiker und Kassandra.
Vorwort von Jeffrey Herf — 11
Der „humanistische Verrat“ – Heiner Müller,
Albert Camus, Frantz Fanon und die Gewalt. Auszug aus der Dissertation, 1992 — 23
Hiroshima und Auschwitz – Vergleich und Gleichsetzung.
Blätter für deutsche und internationale Politik, August 1995 — 29
Flucht aus der Politik. Deutsche Intellektuelle nach Srebrenica. Merkur 1996 — 36
Gegen die Idee des „Wandels durch Annäherung“. Eine Antwort auf Roman Herzog. Die Zeit 1996 — 57
Wandlungen eines Mythos – Die Kulturrevolutionäre von 1968,
Garanten der liberalen Kultur in Deutschland? 1996 — 66
Hannah Arendt: Gefahren einer Kanonisierung. Tagesspiegel 1997 — 86
Angst vor dem letzten Menschen. Bertolt Brecht, Ernst Bloch und
die apokalyptische Faszination des Kommunismus. Die Zeit 1998 — 91
Die Kämpfe auf dem Balkan sind zu Ende. Verschwindet damit der Krieg aus Europa?
Tagesspiegel 1999 — 99
Eine Moderne, die nicht autonom ist. Rückblick auf Christa Wolf, Heiner Müller und
die DDR-Literatur zehn Jahre nach dem Mauerfall. Die Zeit 1999 — 104
Letztes Wort: Freiheit. Oder die Identitätskrise der deutschen Linken. Merkur 1999 — 111
Verschwistert im Zweifel – Religion und Säkularismus nach dem 11. September. Kafka 2002 — 121
Kapitalismus als Ethos – Radikale Marktwirtschaftler als radikale Kritiker der Ungerechtigkeit.
Merkur 2003 — 130
Siamesische Zwillinge – Nur gemeinsam widerstehen Amerika und Europa ihren Feinden.
Internationale Politik 2003 — 148
RAF ins Museum? Aber nur im Kontext mit der Geschichte der radikalen Linken in den Siebzigern.
Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte 2003 — 160
Ressentiment gegen den Westen. Der Generalverdacht gegen die offene Gesellschaft
nach dem 11. September und der Intervention im Irak. Merkur 2004 — 166
Zehn Jahre danach – Haben sich die kulturkritischen Prophezeiungen aus
Botho Strauß’ „Bocksgesang“ erfüllt? Theater Heute 2005 — 186
Terror als Destabilisierung: Die RAF und ihre Paten. Welt am Sonntag 2007 — 198
1968 – Revolte und Mythos. Und Wegschauen bei totalitären Verbrechen.
Welt am Sonntag 2008 — 207
Kleists Traum von der kriegerischen Gemeinschaft – und wie die Nazis ihn instrumentalisierten.
Welt am Sonntag 2008 — 213
Inspektor Columbos Vermächtnis – ein Ermittler gegen den Relativismus der Postmoderne.
Blog Freie Welt 2011 — 217
Amy Winehouse (1983–2011). Oder die Bürde des eigenen Talents. Blog Freie Welt 2011 — 221
Als Manès Sperber Wolf Biermann den kommunistischen Zahn zog. Blog Freie Welt 2011 — 223
„So hat es damals hier nicht ausgesehen“. Kurz vor ihrem 90. Geburtstag besuchte
Margot Friedländer zum ersten Mal nach ihrer Befreiung das ehemalige Ghetto Theresienstadt.
Welt am Sonntag 2011 — 226
Der Adorno-Preis und die Wirrungen der „Dialektik“ – Judith Butler, Adorno und Israel.
Blog Freie Welt 2012 — 235
Obama schwächt den Westen – Zur Rückzugspolitik der USA im Nahen Osten. Die Welt 2013 — 241
Licht aus dem Osten – Die Ukraine hält die Werte hoch, derer der Westen überdrüssig scheint.
Internationale Politik 2014 — 245
„Nicht die Zeit vergeht. Wir vergehen.“ Hommage auf André Glucksmann. Die Welt 2015 — 257
Kiew in Freiheit. Das Unwissen über die Ukraine ist das Einfalltor für die russische Propaganda.
Die Welt 2018 — 263
The Putinsplainers – Von Nietzsche über Mann bis hin zu Merkel, die deutsche Kultur hat von jeher eine Schwäche für Russland. American Interest 2019 — 268
Die Aneignung des Gedenkens – Putins Auftritt in Yad Vashem stellt eine neue Dimension der
Instrumentalisierung des Holocaust-Gedenkens dar. Perlentaucher 2020 — 275
Der Antisemitismus und die Lebenslüge der Linken. Judenhass findet sich bereits in
Gründungstexten der Linken. Blog Hold These Truths 2021 — 279
Für Nord Stream 2 verfälscht Steinmeier die Geschichte. Blog Hold These Truths 2021 — 284
Manès Sperber – Demokratien müssen bewaffnet sein. Hommage auf einen antitotalitären Denker.
Blog Hold These Truths 2021 — 288
Das Böse als Realität in der Weltpolitik. Die Scheu der Demokratien vor dem Blick in den Abgrund.
Internationale Politik, Februar 2023 — 292
Die AfD – Eine Partei des Landesverrats. Und wie sie am besten zu bekämpfen ist.
Blog Hold These Truths 2023 — 303
Der fundamentale Unterschied – Warum eine antitotalitäre Haltung heute aktueller ist denn je.
Perlentaucher 2023 — 306
Israel und die Ukraine führen denselben Kampf. Internationale Politik 2023 310
Demokratie ist so kostbar, weil sie unvollkommen ist. Eine Rede vor dem Thüringer Landtag 2023 — 323
Ungebrochen – Auch in seiner islamistischen Variante ist der Antisemitismus ein düsteres Erbe
der deutschen Vergangenheit. Perlentaucher 2023 — 336
Vernichtungsfuror – Dem Warschauer Aufstand kommt in der westlichen Erinnerungskultur noch immer nicht
der Rang zu, der ihm gebührt. Perlentaucher 2024 — 340
Muster der Beschwichtigung – Gibt es einen strukturell bedingten Hang der Demokratien zur Beschönigung
totalitärer Aggression? Perlentaucher 2025 — 344
Düsteres Zeitalter – Über den möglichen Absturz der Menschheit in ein Zeitalter der Willkür.
Perlentaucher 2025 — 348
Editorische Notiz — 352
Danksagung — 357

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